Rede von Dr. Gabriele Andretta zu TOP Nr. 17 "Gründerschmiede Niedersachsen – mehr Engagement für eine neue Gründerkultur"

 

Quelle: Landtag Niedersachsen. Foto: Tom Figiel.

 

Rede von Dr. Gabriele Andretta, MdL zu TOP Nr. 17 - Abschließende Beratung -
"Gründerschmiede Niedersachsen – mehr Engagement für eine neue Gründerkultur"

Antrag der Fraktion der FDP – Drs. 17/3533

Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr – Drs. 17/7288 während der Plenarsitzung vom 02.02.2017 im Niedersächsischen Landtag

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Unternehmensgründungen sind ohne Zweifel ein wichtiger Faktor für die Volkswirtschaft eines Landes. Sie bringen Dynamik in eine Wirtschaft, sichern ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit, schaffen neue Arbeitsplätze und sind gut für die soziale Mobilität einer Gesellschaft.

Unbestritten ist auch, dass Deutschland und Niedersachsen im Vergleich zu anderen Industrienationen wie den USA, Kanada oder Israel bei Gründungen Nachholbedarf haben. Es fehlt an Gründergeist. Das wollen wir ändern!

Den von der FDP eingebrachten Entschließungsantrag haben wir im Ausschuss intensiv beraten, bei einigen Punkten waren wir uns schnell einig, zum Beispiel, dass wir eine bessere Gründerkultur, eine Kultur der zweiten und dritten Chance brauchen!

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Als der amerikanische Wissenschaftler und Erfinder Thomas A. Edison vor 140 Jahren die Idee hatte, New York zu elektrifizieren, gründete er ein Startup, die Edison Electric Light Company, und begann mit der Glühbirne zu experimentieren. Er brauchte rund 2.000 Anläufe, bis er den ersten Kohlefaden in einer Lampe zum Leuchten bringen konnte. Trocken kommentierte Edison seine 2.000 Fehlversuche mit dem Satz: „Ein Misserfolg war es nicht. Denn wenigstens kennt man jetzt 2.000 Arten, wie ein Kohlefaden nicht zum Leuchten gebracht werden kann.“

Scheitern nicht als Stigma, sondern als Voraussetzung für Erfolg – eine Sichtweise, die uns fremd ist. Doch genau das brauchen wir: eine Gründerkultur als Fehlerkultur.

Es muss übrigens nicht immer die außergewöhnliche Idee sein, die Erfindung von etwas Neuem, was ein Startup innovativ und erfolgreich macht. Der Anteil von Startups, die einen Markt revolutionieren, ist sehr gering, er liegt bei weniger als fünf Prozent.

Innovativ kann auch sein, Dinge, die bereits getan werden, anders zu tun, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Meine Damen und Herren,

Studien zeigen, dass neben der fehlenden Gründerkultur vor allem die Kapitalbeschaffung ein großes Hindernis beim Gründen darstellt.

Banken und Investoren halten sich in der Frühphase der Unternehmensgründung zurück, Crowdfunding als Finanzierungsinstrument ist bei uns noch wenig entwickelt und insbesondere teuren technikaffinen Startups mangelt es an Wagniskapital – ein notwendiges Capital Venture-Gesetz scheitert bisher am Bundesfinanzminister.

Umso wichtiger für Gründungen sind öffentliche Förderprogramme und Finanzierungshilfen von EU, Bund und Ländern.

Und laut KFW-Gründungsmonitor schneidet Niedersachsen hier im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ganz gut ab:

- Mit dem MikroSTARTer-Programm, dem Niedersachsen-Gründer-Kredit und dem bundesweit einmaligen Beteiligungsfonds von Land und Niedersachsens Metallarbeitgebern sowie dem neuen Förderprogramm des Bundes „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“ wird jungen Unternehmen in Niedersachsen geholfen, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.

- In 30 Technologie- und Gründungszentren des VTN (des Dachvereins niedersächsischer Technologiezentren) werden heute knapp 700 junge Unternehmen in der Startup-Phase aktiv unterstützt. Tendenz steigend.

- Zu nennen ist auch das EXIST-Programm des Bundes, mit dem Gründungen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gefördert und das Gründungsklima verbessert wird.

Im Bundesvergleich hat Niedersachsen übrigens einen Platz in der Spitzengruppe bei der Gründungsförderung der Hochschulen, auch bei den Gründungslehrstühlen ist Niedersachsen ganz vorne mit dabei. Damit sind unsere Hochschulen schon viel weiter, als die FDP offenbar mitbekommen hat.

Auch hat sich inzwischen in steuerlicher Hinsicht einiges getan: Mit dem vom Bundestag im Dezember verabschiedeten Gesetz zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustverrechnung bei Körperschaften werden zukünftig bei einem Anteilseignerwechsel die Verlustvorträge von jungen, innovativen Startups nicht mehr untergehen. Das ist ein gutes Signal für den Wagniskapitalstandort Deutschland.

Darüber hinaus sind direkte Steueranreize wichtig. Nicht mit der Gießkanne, sondern geknüpft an innovationsfreundliche Bedingungen! Deshalb setzt sich Niedersachsen in einer Bundesratsinitiative für Abschreibungsmöglichkeiten auf Ausgaben für Forschung und Entwicklung ein. Jeder Euro, der in einem Unternehmen an Forschungskosten anfällt, soll die Steuerlast drücken, wovon insbesondere Startups in Tec-Branchen profitieren würden.

All diese Initiativen zeigen, dass diese Landesregierung bereits einiges auf den Weg gebracht hat – und erste Erfolge werden sichtbar: So weist der Startup-Monitor 2016 neben den fünf bekannten Gründungsregionen erstmals eine weitere für Gründer attraktive Region aus: Es ist die Region Oldenburg/Hannover. Wir gratulieren.

Meinen Damen und Herren,

ich möchte noch einmal auf Edison zurückkommen. Was wir alle an ihm bewundern, ist nicht nur sein Erfinder-, sondern auch sein Gründungsgeist. Und genau diesen müssen wir verstärkt in unsere Schulen und ins Klassenzimmer bringen.

Nicht nur als Thema auf den Lehrplan, wichtiger ist das Ausprobieren. Und wo geht das besser als in einer eigenen Schülerfirma? In Niedersachsen gibt es ein Netzwerk aus inzwischen 820 nachhaltigen Schülerfirmen. Dieses Netzwerk wollen wir weiter ausbauen.

Eine große Chance für mehr Gründergeist in den Schulen bietet die Digitalisierungsoffensive der Landesregierung in der Bildung. Schon heute ist jede fünfte Gründung „digital“, das heißt, der Einsatz von digitalen Technologien ist entscheidend für die Realisierung des Geschäftskonzepts. Ich bin überzeugt davon, Schüler und Schülerinnen, die heute lernen, mit digitalen Technologien Probleme zu lösen, werden gut gewappnet sein, die Gründer von morgen zu werden.

Am Schluss möchte ich mich bei den Kollegen und Kolleginnen im Ausschuss für die gute Diskussion bedanken. Schade, dass wir uns am Ende nicht auf einen gemeinsamen Antrag einigen konnten.

Die SPD-Landtagsfraktion wird jedenfalls weiterhin gemeinsam mit der Landesregierung dafür arbeiten, dass junge Gründerinnen und Gründer in Niedersachsen die bestmöglichen Rahmenbedingungen vorfinden.