Rede von Dr. Gabriele Andretta zu: Meister, Techniker, Fachwirte und Berufspädagogen von Lehrgangs- und Prüfungsgebühren befreien!

 
 

Rede von
Dr. Gabriele Andretta, MdL

Meister, Techniker, Fachwirte und Berufspädagogen von Lehrgangs- und Prüfungsgebühren befreien! Aufstiegsfortbildungen qualifizieren Menschen, sichern die Ausbildung von angehenden Fachkräften und sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

 

Während der Plenarsitzung vom 17.08.2017 im Niedersächsischen Landtag

Es gilt das gesprochene Wort.

Herr Präsident,

meine Damen und Herren,

die Berufsausbildung zu stärken und berufliche Weiterbildung nachhaltig zu fördern, ist hier im hohen Hause zum Glück politischer Konsens.

Dafür steht nicht zuletzt der hier im Parlament von allen Fraktionen getragene Beschluss gegen die Bestrebungen der EU, den Meisterbrief als Wettbewerbshemmnis zu relativieren.

Die Meisterqualifikation muss bleiben und wieder gestärkt werden. Tatsächlich ist es ja auch widersinnig, das duale Ausbildungssystem in Deutschland zu loben und von diesem System profitieren zu wollen, und gleichzeitig eine tragende Säule hiervon infrage zu stellen. Wir tun deshalb gut daran, uns hiergegen zu wehren.

Genauso, wie wir bislang erfolgreich dafür gekämpft haben, die Gleichwertigkeit von einer beruflichen Ausbildung mit einem höheren Schulabschluss und die Gleichwertigkeit von einem Zertifikat als Meister/Fachwirt oder Techniker mit einem akademischen Bachelor im Europäischen Qualifikationsrahmen herzustellen.

Hier heißt es aber wachsam bleiben. Der Kampf um die Ausfüllung der Niveaustufen 4, 5 und 6 im Europäischen Bildungsraum ist noch nicht zu Ende.

Meine Damen und Herren,

für meine Fraktion steht als Ziel fest: Bildung soll in allen Phasen gebührenfrei sein, von der Kita bis zum Studium oder zur Meisterausbildung.

Es freut uns, dass neuerdings auch die FDP die gebührenfreie Bildung entdeckt hat. Das war ja nicht immer so, wenn ich mich so an Ihre glühenden Bekenntnisse hier im Landtag zu Studiengebühren erinnere.

Gebührenfreie Bildung bedeutet für uns, dass diese auch in der Berufsausbildung und Fortbildung umgesetzt wird! Uns ist ein Meisterabschluss genau so viel wert wie ein Masterabschluss!

Es ist doch eine eklatante Ungleichheit, wenn das akademische Studium in der Regel kostenfrei ist, die Gebühren für Techniker-, Meister- und Fachwirtkurse aber nur zu 40 Prozent bezuschusst werden. D.h., 60 Prozent müssen aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe eines Darlehens aufgebracht werden. Das ist ungerecht und trägt zur mangelnden Attraktivität dualer Ausbildungsberufe bei. Deshalb fordert die SPD in ihrem Programm für die Bundestagswahl, dass die Gebühren für Aufstiegsfortbildungen abgeschafft werden. Meine Fraktion unterstützt das!

Doch, meine Damen und Herren, wollen wir die nichtakademische Aus- und Weiterbildung stärken, dann reicht Gebührenfreiheit von Lehrgangs- und Meisterkurskosten alleine nicht aus.

Blicken wir zurück: Als 1996 das Meister-BAföG als gemeinsame Initiative von Bund und Ländern eingeführt wurde, waren es zu Beginn nur wenige Zehntausend, die von der Förderung profitierten. Aktuell sind es rund 170.000 Menschen, die gefördert werden. Das Meister-BAföG – eine einzige Erfolgsgeschichte also.

Der Erfolg ist vor allem der konsequenten Modernisierung und dem Ausbau des Gesetzes zur Aufstiegsfortbildung zu verdanken, wie zuletzt durch das 2016 verabschiedete neue Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz – was für ein Name!

Der Zuschussanteil für die Lehrgangskosten wurde von 30 auf 40 Prozent erhöht,

die Freibeträge auf Einkommen angehoben und weitere Berufsgruppen und Fortbildungsabschlüsse in die Förderung aufgenommen. Zudem wurden wichtige strukturelle Änderungen vorgenommen: Mit der Novelle 2016 erhalten auch Bachelor-Absolventen und Studienaussteiger Zugang zur Meister-Förderung. Damit wird die Durchlässigkeit zwischen der akademischen und der beruflichen Bildung weiter gestärkt.

Dass die Novelle wirkt, zeigt die Zahl der Geförderten in Niedersachsen. Sie ist um 1.000 auf aktuell 8.700 Geförderte gestiegen.

Der Meisterausbildung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Je mehr Gesellinnen und Gesellen sich für die Meisterausbildung entscheiden, umso mehr werden Handwerk und Mittelstand davon profitieren. 200.000 Handwerksunternehmer gehen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Meister, Fachwirte und Techniker als gehobene Fachkräfte werden schon jetzt vielfach gesucht.

Deshalb sollten wir die Förderung von Aufstiegsfortbildung konsequent ausbauen, aber auch die Durchlässigkeitder beruflichen und der akademischen Bildung weiter stärken.

Dazu gehört auch, für Meister, Techniker und Fachwirte den direkten Zugang zu Master-Studiengängen zu eröffnen und gegebenenfalls mit zusätzlicher Förderung zu unterstützen. Seien wir doch ehrlich: der bestehende Bachelor-Zugang ist weder fachlich noch hinsichtlich der Lebensphase eine wirklich attraktive Option.

Die Familienfreundlichkeit, die Unterhaltsleistungen, die Kalkulierbarkeit der nachlaufenden Finanzbelastung sowie die Entbürokratisierung verdienen ebenfalls Reformanstrengungen. Insbesondere wird auf eine Unterstützung der Teilzeitfortbildung zu achten sein. Denn hier ist das größte Zukunftspotenzial in der Verbindung von Berufstätigkeit und Fortbildung mit Anbindung an einen Betrieb und der Perspektive auf mehr Verantwortung.

Meine Damen und Herren,

wir als Land sollten den Bund bei diesen Reformen unterstützen, denn profitieren werden wir alle davon.

Vielen Dank!

 
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