Andretta: Zum zweiten Mal bemerkenswerter Unsinn:

 
 

Fehlender Sachverstand des Schattensozialministers Hilbers führt zu einer Fehleinschätzung - das Land Niedersachsen und die UMG übernehmen mit der Schaffung von zusätzlichen Medizinstudienplätzen Verantwortung zur Bekämpfung des Ärztemangels

 

„Zum wiederholten Male fällt CDU-Schattensozialminister Hilbers durch bemerkenswerten Unsinn auf“, kommentiert die Göttinger Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta (SPD) die Absage von Hilbers an die Schaffung von zusätzlichen Medizinvollstudienplätzen durch die geplante Kooperation mit dem Klinikum in Braunschweig.

„Fest steht, wir bilden in Niedersachsen mit 597 Medizinstudienplätzen im Vergleich zu anderen Bundesländern viel zu wenig Ärzte aus. Darauf hat auch die Präsidentin der Ärztekammer, Frau Dr. Wenker, wiederholt hingewiesen. Gleichzeitig leisten wir uns den Luxus, etwa 100 Medizinstudierende nur bis zum ersten Studienabschnitte nach zwei Jahren in Göttingen auszubilden. Weil die klinische Kapazität der UMG ausgeschöpft ist, wird dieser Ärztenachwuchs anschließend exmatrikuliert und buchstäblich auf die Straße gesetzt. Das ist nicht nur gegenüber den an der UMG sehr gut ausgebildeten Studierenden schwierig und mit Blick auf den Ärztemangel eigentlich unverantwortlich, auch in finanzieller Hinsicht ist es unsinnig. Das Land finanziert das teure vorklinische Medizinstudium, ohne davon einen Nutzen zu haben, weil diese günstigstenfalls ihr Studium nur außerhalb von Niedersachsen fortsetzen können. Durch die sinnvolle Zusammenarbeit mit dem Klinikum Braunschweig können mit einer vergleichsweise moderaten Finanzierung bis zu 100 zusätzliche Vollstudienplätze entstehen, so dass die angehendenden Ärzte ihr Studium in Niedersachsen beenden und für eine Tätigkeit im Land gewonnen werden können.

Herr Hilbers hat den Zusammenhang zwischen Teilstudienplätzen und einem regulären Studienplatz der Medizin offenbar nicht verstanden. Sonst hätte er gewusst, dass es keine kostengünstigere Möglichkeit als den vorgeschlagenen Weg gibt, bis zu 100 zusätzliche approbierte Ärzte für Niedersachsen zu gewinnen. Sollte Herr Hilbers tatsächlich Sozialminister werden, wäre es sicher hilfreich, wenn er diese Grundkenntnisse noch vor Amtsantritt erwirbt,“ so Andretta.

 

Zum Hintergrund

 Medizinstudienplätze im Studienjahr 2017 an staatlichen Hochschulen: Deutschland insgesamt 10.803, davon in Niedersachsen 597. Zum Vergleich: Baden-Württemberg 1.530, Bayern 1.751, Berlin 635, Hessen 1.009, Nordrhein-Westfalen 2.216  (Quelle: www.hochschulstart.de)

Kosten eines Medizinstudienplatzes pro Jahr (2014): 32.960 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt)